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“ Ich kann mir nicht vorstellen wie du dich fühlst… „

Wie man sich fühlt, wenn man mit einem einzigen Anruf aus seinem Alltag gerissen wird. Wie aus Minuten Stunden werden und aus Stunden Tage werden. Tage, in denen man hofft und bangt, in Sorge zerbricht und nachts nicht schlafen kann. Wenn alles auf einmal sinnlos erscheint. Wenn man in fremden Gesichtern das eine Gesicht sieht, dass man so sehr vermisst und um das man sich so sehr sorgt. Überall lauern kleine Hinweise, die sich in einen Strudel aus Verwirrung und Angst verwandeln. Angst davor, dass die schlimmsten Befürchtungen wahr werden.
Jeden Tag ist man auf der Lauer, man ist wie auf Abruf. Jede Nachricht, jeder Anruf lässt einen zusammenzucken, lässt das Schlimmste vermuten. Man kann sich nicht konzentrieren, ist fahrig, gereizt oder aufgebracht. Die Gedanken drehen sich pausenlos um ein Thema: Wo ist sie ?
Erinnerungen verzerren sich, auch wenn das letzte gemeinsame Lachen erst ein paar Tage her ist. Alles fühlt sich falsch an, als wäre es nicht real. Sie kann doch nicht einfach fort sein ?
Oft denke ich, sowas kann doch hier nicht passieren. Ich weiß, dass schlimme Dinge passieren, aber die sind immer so weit weg. Sowas passiert uns doch nicht und schon gar nicht vor der Haustür… oder doch ? Was ist wenn das Schlimmste wahr wird.
Wie soll man das verkraften ?
Ich weiß es nicht. Und vermutlich weiß das auch sonst niemand. Denn auf so etwas ist man nicht vorbereitet. Das ist man nie. Zwei Wochen lang keine eindeutigen Hinweise, kein Vorankommen. Ich will sie doch einfach nur zurück haben. Immer wieder schießen mir Gedanken durch den Kopf. Ich möchte aus diesem Albtraum aufwachen, möchte nicht wahrhaben, was passiert. Die traurige Gewissheit rückt immer näher, wie ein großer schwarzer Vorhang, der langsam herabgelassen wird. Und man fühlt sich so unglaublich hilflos. Man macht sich Vorwürfe, man zweifelt an sich und an der Welt. Wie soll ein Mensch das ertragen? Diese schlimmen Dinge, die überall passieren. Die nicht nur in der Ferne passieren, sondern in unmittelbarer Nähe. Diese ganzen Dinge sind auf einmal alle so nah.
Ein Anruf, der einen aus dem Alltag reißt.
Ein Anruf, der einem das Herz zerreißt.
Der Schmerz ist so groß, dass Tränen nicht mehr ausreichen.
Und der schwarze Vorhang ist gefallen.

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